Seilbahn-Fachtagung St. Moritz

Die diesjährige Tagung vom 6. Oktober bis 8. Oktober 2010 in St. Moritz war in allen Belangen ein voller Erfolg. Das Wetter, die Stimmung, die Referate sowie die Verpflegung und die Organisation waren tadellos. Mit der Anwesenheit des neuen Direktors vom BAV erhielt die Veranstaltung eine ganz besondere Ehre.

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Die VTK Tagung beginnt jeweils mit einer Vorstandssitzung am Nachmittag des ersten Tages. Ab 17.00 Uhr erhielten die ersten Teilnehmer die Tagungsunterlagen. Etwas überrascht war man, vom grossen Ansturm der Leute. Normalerweise sind am ersten Tag ca. 120 Teilnehmer dabei. Schlussendlich wurden 220 Personen in den drei zugewiesenen Restaurants (Hotel Waldhaus, Hotel Bellaval und Churrascaria) verpflegt. Bereits am ersten Abend erwies uns der neue Direktor vom BAV, Dr. Peter Füglistaller die Ehre. Der Pächter des Hotel Waldhaus Haus, Claudio Bernasconi, offerierte in allen drei Restaurants am Anschluss des Nachtessen einen Whisky. Für den Vorstand sowie für den neuen BAV Direktor, präsentierte der Pächter seinen exklusiven Whiskyshowroom. Seit 1996 verfügt, das Hotel Waldhaus über das Zertifikat vom Guinness Buch der Rekorde, "Beste Whiskybar mit dem grössten Angebot". Über 2500 verschiedene Whiskys sind im Hotel Waldhaus erhältlich.

2470 Anlagen im Aufsichtsbereich des IKSS

Am Donnerstag begann der Ernst der Tagung. Präsident Peter Julen konnte erstmals 357 angemeldete Personen für die VTK Veranstaltung begrüssen. Die letzte durchgeführte Tagung in St. Moritz fand 1975 mit 75 Personen Teilnehmer statt. In seiner Begrüssungsansprache erwähnte der Präsident die Veränderungen beim UVEK, BAV sowie die davor bestehenden an der Führungsspitze des SBS. Er dankte den abtretenden Personen für ihr Engagement für die Seilbahnbranche. Speziell freute sich der Präsident, über die erste Diplomfeier der ersten 16 ausgebildeten Mechatroniker, welche am 7. Juli 2010 im Bergrestaurant Alpentower oberhalb von Meiringen, ihre Diplome entgegen nehmen konnten. Dank gebührt den Lehrbetrieben sowie den Ausbildnern, welche diese Ausbildung in Zusammenarbeit mit dem SBS und der VTK ermöglichten.

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Die Stunde der Aufsichtsbehörde begann mit den Informationen vom IKSS. Direktor Reto Canale orientierte über die Organisation des Konkordates. "Seit diesem Sommer amtet neu als Präsident, Aurelio Casanova (GR). Als Vizepräsident amtet, Wolf-Dieter Deuschle aus Bern. Ferner sind die Herren Urs Braschler (NW), Vincent Krayenbühl (VD) sowie Philipp Studer VS) in der Geschäftsleitung  vertreten. Der Kontrollstelle steht Reto Canale als Direktor vor. In der technischen Leitung wird er von Georg Kopanakis unterstützt. Als Direktionsassistentin amtet Nina Lauri, welche auch die Administration leitet. Die Inspektionsstelle wird von Christophe Udriot und die Seilprüfstelle von Ruedi Mani geführt. Für insgesamt 2470 Anlagen ist das IKSS verantwortlich: Davon sind 223 Seilbahnen, 897 Skilifte, 765 Kleinskilifte und Förderbänder (stark zunehmend), 566 Schrägaufzüge und 19 Rodelbahnen. Auf diesen 2470 Gesamtanlagen gab es im Jahr 2009 64 Zwischenfälle mit insgesamt 30 Verletzten. Um Unfälle vermeiden zu können, sei es von grosser Wichtigkeit, die Sicherheitsregeln zu beachten. Beim Betreten der Umlenkscheibe, muss immer der Nothaltschalter gedrückt werden. Beinahe  wäre in diesem Jahr, wieder ein folgenschwerer Unfall passiert. Die Zusammenarbeit zwischen den Betreibern, Herstellern und Behörden ist zufriedenstellend. Die beiden ersten "Round Table" Gespräche fielen positiv aus und fördern das gegenseitige Vertrauen. In Zusammenarbeit mit dem SBS und den Herstellern wird derzeit ein "Merkblatt für Alternativgeräte auf Skiliften erarbeitet", soweit die Ausführungen von Reto Canale.

Die neuen Aufgaben des BAV

Mit dem Referat "Rollenverständnis des BAV" stiess der neue Direktor Dr. Peter Füglistaller auf viel Verständnis bei den Teilnehmern. Auf einfache, verständliche Art stellte er seine Person vor und machte klar, dass er sich auf die Aufgabe als Sicherheitsbehörde beschränken wird. D.h. das BAV prüft ob die Seilbahnunternehmungen in den Bereichen, Betriebsorganisation, Kenntnis der Anlagen, Instandhaltung und Dokumentation sowie die Ausbildung der Mitarbeiter ihre Verantwortung wahrnimmt. Durch Risikoorientierte Stichproben bei den Unternehmungen will das BAV zu diesem Ziel gelangen und unterstützt somit den Betreiber in der Verantwortung als Sicherheitsaufsichtsbehörde.

Das BAV macht keine Sicherheitsgutachten oder umfassende Beurteilungen der Anlagen sowie der Betriebsorganisation, dies ist Sache des Betreibers. Unterstützung wird der Betreiber in diesen Angelegenheiten beim Hersteller ober bei Spezialisten erhalten. Die Kontrollen des BAV befreien die Unternehmen in keiner Art und Weise von ihren eigenen Führungs- und Kontrollpflichten. Verantwortlich für die Sicherheit einer Seilbahn ist das Unternehmen. Die Betreiber sind sich dieser Verantwortung auch bewusst und das BAB ist jederzeit bereit, zusammen mit den Unternehmungen, den Dialog zu führen, damit man gemeinsam das Ziel der Seilbahngesetzgebung erreicht: "Sichere Seilbahnen im Seilbahnland Schweiz", so die Ausführungen des neuen Direktors Dr. Peter Füglistaller.

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Wichtige Informationsblätter von BAV und IKSS sind nicht vorhanden

Gery Balmer, zuständig für die Sicherheitsüberwachung beim BAV, stellte in seinem Referat die Mitarbeiter vom BAV vor, welche in den einzelnen Regionen die Ansprechpersonen für die Betreiber sind.  Bei Unfällen wird die unabhängige Unfall-Untersuchungsstelle informiert, welche das Schadenereignis untersucht und schlussendlich auch die Unfallstelle wieder freigibt. Das BAV nimmt die Erkenntnisse der Untersuchungsstelle zur Kenntnis und überprüft, ob bei anderen Anlagen Massnahmen ergriffen werden müssen oder nicht.

Die meisten technischen Leiter sind sich ihrer Verantwortung bewusst. Dennoch sind nicht überall schriftliche Regelungen betreffend der Verantwortlichkeiten der Mitarbeiter, Stellenbeschreibungen und Arbeitsverträge vorhanden. Wichtige Informationsblätter vom BAB und IKSS fehlen. Im Baubereich wurden nicht immer Checklisten erstellt. Leider ist das Merkblatt Beförderung gefährlicher Güter mit Seilbahnen nicht allen technischen Leiter bekannt. Das BAV führt jährlich einen Workshop über dieses Thema durch. Dies waren die Erkenntnisse des BAV, welche im letzten und in diesem Jahr festgestellt worden sind.

Bei den Statistiken kann erfreulicherweise ein grosser Rückgang bei den Ereignissen festgestellt werden. Von 632 Anlagen ergaben sich 51 Ereignisse (Vorjahr 75) und 19 Unfälle. Davon wurden 16 Personen verletzt. Bei der Erstellung der Jahresberichte möchte man - zusammen mit dem SBS und der VTK - zukünftig Lösungen in elektronischer Form anstreben. Das Ziel dieses Projektes ist, ob die Instandhaltung termingerecht und fachgerecht ausgeführt worden ist; und gleichzeitig soll der Zeitaufwand dabei vermindert werden. Die Einführung ist auf den 1. Januar 2011 vorgesehen. Betreffend Revision der Seilverordnung soll diese Mitte 2011 in Kraft treten. Das BAV erwünscht sich die konstruktive Kommunikation mit den Betreibern. Sämtliche Reglemente und Verordnungen können auf www.bav.admin.ch/seilbahnen abgerufen werden.

Das Arbeitsgesetz stösst an Grenzen

Markus Lüthi vom BAV erläuterte den Sinn und Zweck des Arbeitszeitgesetzes (AZG) sowie deren Sonderbestimmungen. In seinen Ausführungen orientierte er über die Aufgaben des Arbeitgebers, welcher Dienstpläne zu erstellen hat, sowie über die Auskunftspflicht gegenüber dem BAV. Anhand von praktischen Beispielen präsentierte der BAV-Vertreter gute sowie schlechte Dienstpläne. Gewisse Abweichungen von der vorgeschriebenen Arbeitszeit sind möglich, jedoch kann ein Mitarbeiter nicht Arbeiten von zwei Personen übernehmen. Dies ist strikt verboten. Die anschliessende Diskussion unter der Leitung von Fulvio Sartori sowie mit Markus Lüthi, Laurent Vaucher und Andreas Zenger, zeigte auf, dass die bisherige Verordnung an ihre Grenzen stösst und deshalb eine Teilrevision des Gesetzes in Betracht gezogen werden muss. Während der Mittagszeit, fand dank dem organisierten Stehlunch intensiv der Erfahrungsaustausch statt.

Verdrängungskampf im Tourismus

Zu Beginn des Nachmittags begrüsste die CEO von Engadin St. Moritz, Ariane Ehrat, die Bergbahnexperten aus der ganzen Schweiz und informierte über den knallharten Verdrängungskampf im Tourismus, welcher derzeit St. Moritz erlebe. Im letzten Jahr erzielte die Destination Engadin St. Moritz kein Wachstum. Nur mit gezielten Marketingaktivitäten kann dieser Entwicklung Gegensteuer gegeben werden.

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ISO-Zertifizierung, nützlich oder nicht?

Das Hauptthema des Nachmittags war "ISO-Zertifizierung, was bringt sie uns?" Bruno Tschirky von der Vereinigung für Qualitäts- und Management-Systeme erklärte ausführlich die Vorteile der ISO Zertifizierung für Seilbahnunternehmen. Mit einer Zertifizierung sichert sich ein Unternehmen die Kundenzufriedenheit, die Beherrschung der Abläufe sowie die Aufrechterhaltung der Wettbewerbsfähigkeit. Um diese Ziele erreichen zu können, wird die Unternehmungsführung aufgefordert eine Standortbestimmung sowie eine Risikoanalyse durchzuführen. Ferner bestimmt sie die Kurz- und Mittelfristplanung, den Finanzierungsprozess sowie die Ressourcenplanung (Leistungserbringung). Umweltthemen, wie Energiemanagement, Abfallmanagement, Planbewilligungsverfahren, Alarm und Notfallkonzept sollten ebenfalls definiert werden. Desto intensiver sich ein Unternehmen mit der Zertifizierung beschäftigt, desto grösser wird auch das Vertrauen gegenüber Geldgebern, Zulieferanten, Behörden, Gesetzgebern, Mitarbeiter und Kunden.

Der Geschäftsführer der Niesenbahn, Roger Friedli, zeigte in seinem Referat auf, warum und wie sein Unternehmen die ISO-Zertifizierung durchgeführt hat. Zu Beginn des Projektes wurden zwei Seilbahnunternehmen besucht, welche bereits im Besitze der Qualitätsstufe III und ISO Zertifizierung waren. Die Erkenntnis des Besuches war, dass die Zertifizierung sehr aufwendig sei, jedoch mit dem Schlussresultat waren beide Unternehmen sehr zufrieden. ISO-zertifizierte Seilbahnunternehmen haben wesentliche Vorteile, bei der Einhaltung der Gesetzeskonformität, bei der Nachweisbarkeit der Sorgfaltspflicht sowie bei der Umsetzung des neuen Seilbahngesetzes und der neuen Seilbahnverordnung. Im März 2009 wurde zu Beginn der Zertifizierung wurde ein Coach beigezogen. Anschliessend begann man mit der Überprüfung sämtlicher Arbeitsabläufe, welche ergänzt und dokumentiert wurden. Derzeit findet ein internes Audit statt. Im Juni vom nächsten Jahr wird dann ein externes Audit durchgeführt mit anschliessender ISO-Zertifizierung sowie Beantragung für das Qualitätsgütesiegel III.

Bei der Realisierung dieses Projekts geht es vor allem um die Schaffung von klar definierten, optimierten Abläufen sowie genauen Verantwortlichkeiten im Betrieb. Weiter wird die Umsetzung von Gesetzen, Verordnungen und Normen vereinfacht und gleichzeitig der Kundennutzen erhöht. Um diese Zielsetzungen erreichen zu können ist die Unterstützung des Leitungsteams unerlässlich. Die ersten Erfahrungen mit dem BAV waren sehr positiv. Auch für ein Seilbahnunternehmen mit Sommerbetrieb ist die Umsetzung eines Qualitäts- und Management-Systems von grosser Bedeutung und wird die Zukunftsaussicht für das Unternehmen wesentlich erleichtern. Die anschliessende Diskussionsrunde unter der Moderation von Fulvio Sartori zusammen mit den beiden Referenten Bruno Tschirky und Roger Friedli, zeigte klar die Bedeutung der Zertifizierung auf.

Generalversammlung

Nach der Nachmittagspause fand die Generalversammlung der VTK statt. Der Präsident Peter Julen begrüsste die 95 Mitglieder, die Vorstandsmitglieder, die Veteranen sowie die Vertreter vom SBS. Der Paritätischen Kommission dankte er für das sehr interessante Seminarprogramm. In seinem Jahresbericht erwähnte der Präsident, dass das neue Seilbahngesetz langsam Gestalt annehme. Dennoch sind noch gewisse Unsicherheiten erkennbar. Die Unterstützung der Swiss Alpina mit der gleichzeitigen Veranstaltung der Technischen Seilbahnfachtagung VTK/SBS in Martigny brachte nicht den gewünschten Erfolg. Nach Abwägung aller Argumente in vielen Diskussionen, sind wir zum Schluss gekommen, dass zukünftig auf die Koordination von Messe und der Tagung verzichtet wird. Die Schwierigkeiten, einen passenden Tagungsort zu finden, nehmen wegen den zunehmenden Teilnehmern jährlich zu. Der Aufwand des Vorstandes hat im letzten Jahr weiter zugenommen. Es wurden 12 Seminare und drei Tagungen abgehalten. Ferner war die VTK an Sitzungen, der technischen Kommission, Ausbildungskommission, Seilbahnverordnung und der Arbeitssicherheit vertreten. Ebenfalls in verschiedenen Arbeitsgruppen vom BAV, IKSS und SBS sind wir dabei. All bei diesen Arbeiten geht es uns darum, "Wissen vermitteln und Ideen austauschen zu können", so der Präsident.

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Die Geschäfte der VTK

Das Protokoll der Generalversammlung von Martigny, der Jahresbericht des Präsidenten und der Kassabericht werden von den Mitgliedern einstimmig genehmigt und verdankt. Die Versammlung beschliesst, den Jahresbeitrag, wegen den steigenden Kosten der Administration, der Rechtsschutzversicherung sowie der Durchführung von neuen Seminaren, von Fr. 70.-neu auf Fr. 80.-- zu erhöhen. Beim Traktandum Wahlen, verabschiedet der Präsident, das Vorstandsmitglied Daniel Mariéthoz aus Haute-Nendaz. Er dankt ihm für seinen Einsatz sowie für das Engagement für die Weiterbildung bei seinen welschen Kollegen. Als Dank für seine Arbeit schenkt ihm der Präsident einen Holzstuhl. Als Ersatz von Daniel Mariéthoz wird Patrick Siggen aus Crans-Montana gewählt. Patrick Siggen ist Ingenieur, war Projektleiter von verschiedenen Projekten, arbeitete bei der ABB und ist seit zwei Jahren technischer Leiter von Crans-Montana. Die Vorstandsmitglieder, Christoph Meier, Markus Good und Luca Jardini werden für eine weitere Amtsperiode bestätigt.

Mutationen und Verschiedenes

Es liegen Aufnahme-Gesuche von 17 A-Mitgliedern und 7 B-Mitgliedern vor. Alle Bewerber werden mit Applaus aufgenommen. 4 Mitglieder treten in die Reihen der Veteranen über. Es sind 5 Austritte von A-Mitgliedern und 3 Austritte von B-Mitgliedern zu verzeichnen. Für die beiden Verstorbenen, Rutz Josef und Massy Paul wird mit einer Schweigeminute gedacht. Anträge aus der Versammlung werden keine gestellt. Die nächste technische Seilbahnfachtagung findet vom 05. bis 07. Oktober 2011 in Biel statt. Vizedirektor Fulvio Sartori vom SBS dankt für die konstruktive Zusammenarbeit mit der VTK und wäre dankbar, wenn gewisse Betriebe Lehrlinge für die Seilbahnlehre in Meiringen noch anmelden würden. Der Präsident dankt dem Organisationskomitee unter der Leitung von Peter Pfister, für die ausgezeichnete Seilbahnfachtagung, wünscht allen Teilnehmern einen guten Besuch der Ausstellung, eine gute Heimreise, eine unfallfreie Wintersaison mit viel Schnee, Sonne und zufrieden Gästen.

Festliches Nachtessen im Hotel Kempinski

Die Generalversammlung wurde in rund 30 Minuten abgewickelt. Somit blieb den Teilnehmern ausführlich Zeit um die 43 Aussteller in der Talstation der Signalbahn zu besuchen. Ausführliche Gespräche wurden von den Lieferanten mit den technischen Leitern gepflegt. Die Atmosphäre war sehr angenehm. Ein weiterer Höhepunkt der Tagung war das festliche Nachtessen im Hotel Kempinski. Der vorgeschriebene Krawattenzwang wurde mehrheitlich eingehalten. Wer die Krawatte vergessen hatte, konnte sich kurzfristig bei den Clowns aus Brigels, welche die Gästeschar während dem Nachtessen bestens unterhielten, eine Krawatte besorgen. Das Lehrerensemble "Lodolas" aus St. Moritz trugen klassische Lieder vor. Somit war das festliche Nachtessen in keiner Weise langweilig. Dazwischen begrüsste der Vize-Präsident der Gemeinde St. Moritz, Renato Spada, die Geladenen.

Eine Einkaufsgemeinschaft ist gefragt

Das erste Referat am Freitagmorgen zum Thema "Pool-Alpin Einkaufsgemeinschaft, Aufbau und Betrieb" wurde von Elmar Muxel und Rainer Jochum aus Dornbirn gehalten. Der Gründer der Pool-Alpin Einkaufsgemeinschaft Elmar Muxel war vorher 17 Jahre lang bei Doppelmayr angestellt. Als er im Jahr 1993 diese Einkaufgemeinschaft gründete, dachte er niemals daran, dass diese so erfolgreich wird. Ihm ging es damals darum, gleiche Aufgaben von unterschiedlichen Seilbahnunternehmen zu einer einheitlichen Einkaufsgemeinschaft zusammenzulegen um damit günstigere Preise auf dem Markt zu erreichen. Gleichzeitig sollen die technischen Leiter mehr Zeit für das Tagesgeschäft erhalten. Der Start der Einkaufsgemeinschaft war äusserst schwierig. Nach der Unterzeichnung von 42 Unternehmen bei der Gründungsversammlung, geschah zuerst nichts. Erst nach 8 Monaten intensiven Gesprächen und dank dem Beitritt von zwei grossen Unternehmungen gelang der Start. Heute 17 Jahre später, sind 80% der österreichischen Seilbahnen sowie alle süddeutschen Seilbahngesellschaften dabei.  Aus anfänglichen 42 Unternehmungen sind heute insgesamt 140 Mitglieder geworden. Aus dem Kampf um ein Produkt sind hunderte von Produktgruppen geworden. Pool-Alpin beschafft heute alles, ausser Liftanlangen, Pistenmaschinen, Beschneiungsanlagen sowie r Güter aus der Gastronomie. Aus 1.5 Mio. Euro Umsatz im ersten Jahr, sind heute 50 Mio. Euro Umsatz geworden. Herr Muxel forderte die Teilnehmer auf, eine Einkaufsgemeinschaft zu gründen, oder derjenigen in Österreich beizutreten. Denn die Vorteile sind gewaltig.

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SBS-Muster-Betriebsreglemente werden Überblick verschaffen

Das zweite Referat wurde von Renzo Pesciallo vom SBS über das Thema Muster-Betriebsreglemente gehalten. Die Sorgfaltspflicht sowie die Betriebs- und Instandhaltungsvorschriften werden seit längerem dem Betreiber zugeschrieben. Dies war bereits vor Inkrafttreten des neuen Seilbahngesetzes im Jahre 2007, der Fall. Basis zur Erstellung der Betriebsvorschriften. dienen unzählige diverse Betriebsvorschriften und Gesetze. In der Gesamtzahl sind es über 25 Gesetze und Verordnung, welche der Betreiber zu beachten hat. Um dem Anwender das Leben einfacher zu machen, hat der SBS mit dem Projekt der Erleichterung der Erstellung von neuen SBS Muster-Betriebsvorschriften für die verschiedenen Seilbahntypen begonnen. Dieses Projekt soll dem Betreiber die notwendigen Dokumente für das Gesuch, der Betriebsbewilligung erleichtern. Die Musterbetriebsvorschriften werden in drei Sprachen erstellt. Die Mitglieder vom SBS sollen dabei in dieses Projekt involviert werden. Es ist auch Ihre Stellungnahme erwünscht. Begonnen wird mit den Pendelbahnen. Ab dem 25. Oktober 2010 ist ein erster Entwurf in deutscher Sprache für die Pendelbahnen über das Internet erhältlich. Im Dezember von diesem Jahr wird diese auch in Französisch abrufbar sein. Bis zum Oktober 2011 läuft die Vernehmlassung. Ab dem November 2011 sollten dann die ersten Muster-Betriebsvorschriften für Pendelbahnen in allen drei Sprachen vorhanden sein. Ein Jahr später werden dann die restlichen Muster-Betriebsvorschriften für die verbleibenden Seilbahntypen erhältlich sein. Sinn und Zweck der Muster-Betriebsvorschriften ist, dass die Unternehmungen selber die Betriebsvorschriften in eigener Kompetenz erstellen. Sie sind frei in deren Gestaltung. Die SBS Muster-Betriebsvorschriften dienen als Grundlage zur Erstellung der Betriebsvorschriften. Für die Korrektheit, die Vollständigkeit und für die Aktualisierung der Vorschriften ist der Betreiber selber verantwortlich. Als Inhalt wird die SN EN-Norm 12397 gelten. Daraus werden die Bestimmungen für den Betrieb und für die Fahrgäste abgeleitet. Das ganze SBS-Projekt ist bei www.seilbahnen.org unter der Rubrik Seilbahntechnik/Muster Betriebsvorschriften abrufbar.

Die Ausbildung zum Seilbahnmanager steht

Thomas Gurzeler, Direktor Arosa Bergbahnen, Mitglied der Bildungskommission und der Kommission für Berufsentwicklung sowie Qualität für Seilbahnerinnen und Seilbahner, präsentierte das neue Ausbildungskonzept für die Ausbildung zum Seilbahnfachmann beziehungsweise bis neu zum Seilbahnmanager. Die Vorkurse für Mathematik und Elektrotechnik, sowie neu technisches Zeichnen erleichtern den Start in die Ausbildung. Neu eröffnet eine erfolgreich absolvierte, "Prüfung Grundbildung", die Möglichkeit zum Eintritt in die Ausbildung zum Seilbahnfachmann. Den ersten Teil des neu gestalteten Lehrgangs bildet die Fachtechnik 1 (Lerntechnik, Elektrotechnik, Werkstofftechnik, Verbindungstechnik, Mechanik, Hydraulik und Maschinenelemente). Nach Absolvierung der Fachtechnik 2 (Seilbahntechnik, Betrieb, Instandhaltung, Elektrotechnik und Baukunde) folgt eine "Grundlagenprüfung". Die Fachtechnik 3 mit den Schwerpunkten, Gesetzliche Vorschriften, Instandhaltung,  Arbeitssicherheit/Gesundheitsschutz, Versicherungen und Nutzungsplan, bildet den Abschluss der Ausbildung zum Seilbahnfachmann. Erfolgreiche Absolventen der vierjährigen Seilbahnlehre zum "Seilbahn-Mechatroniker EFZ" können aufgrund ihrer Vorbildung direkt ohne Prüfung in die Fachtechnik 3 einsteigen. Nach Absolvierung des Lehrmeisterkurses werden die Teilnehmer zur Berufsprüfung zugelassen. Nach erfolgreichem Abschluss erhalten sie den Titel "Seilbahnfachmann/-frau mit eidg. Fachausweis", nach zwei Jahren Berufserfahrung schliesslich vom BAV die Anerkennung als Technischer Leiter. Die erste Berufsprüfung ist für Ende 2012 vorgesehen. Wer noch eine Stufe weiterkommen will, hat neu ab 2013 die Möglichkeit, sich auf die für die Seilbahnbranche neu konzipierte "Höhere Fachprüfung" vorzubereiten. Die so genannte Führungs- und Managementausbildung beinhaltet Pflicht- und Wahlmodule und wird mit einer praxisbezogenen Projektarbeit sowie  einer Präsentation mit Fachgespräch abgeschlossen. Diese Ausbildung kann beim Schweizerischen Institut für Unternehmungsschulung im Gewerbe, mit Sitz in Bern, vorgenommen werden. In neun verschiedene Ausbildungsplätze der Schweiz kann diese Managementausbildung  erlernt werden. Die Ausbildung erfolgt während ca. 10 Wochenenden während zwei Wintersemester. Wer diese Ausbildung erfolgreich bewältig hat, erhält den Titel "Seilbahnmanager/in HFP mit eidg. Diplom" und ist befähigt, als Geschäfts- oder Betriebsleiter eine Seilbahnunternehmung zu führen. Die erste Prüfung wird erstmals 2015 stattfinden.

Mit Beginn des überarbeiteten Ausbildungslehrganges zum "Seilbahnfachmann" ab 2012 wird auch die langjährige, konstruktive Zusammenarbeit mit der STF Winterthur beendet. Neu werden die Ausbildungsinhalte grösstenteils im Ausbildungszentrum SBS in Meiringen vermittelt werden.

Schneemessgeräte werden es richten

Christian Hagin von der Firma Geosat aus Sembrancher im Wallis,  erläuterte das Produkt und den Nutzen des Gerätes "Geo Snow". Mit Geo Snow werden die Ressourcen, Schnee, Wasser und Energie optimiert und dabei gleichzeitig die Betriebskosten der Pistenpräparation vermindert. Ferner erlaubt das System die Betriebsabläufe genauestens zu analysieren. Um diese Zielsetzung erreichen zu können, wird im Pistenfahrzeug ein GPS-Gerät eingebaut, welches die elektromagnetischen Wellen misst und somit die darunterliegende Schneehöhe aufzeigt. Zum installierten Server bei der Bahnunternehmung können auch weitere Informationen, wie die Geschwindigkeit, der Zustand des Fahrzeuges sowie die Art der Arbeit übermittelt werden. Das System erlaubt somit am Ende der Wintersaison unterschiedliche Statistiken, insbesondere über die Kosten der Pistenpräparation, erstellen zu lassen. Das Gerät kann auch auf Motorschlitten eingebaut werden. Mit der Fachhochschule Sierre sowie mit den Pistenfahrzeugherstellern wurde eine konstruktive Zusammenarbeit gefunden und diese unterstützen auch den Einsatz des Gerätes von Geo Snow. Bereits wurden 7 Systeme in der Westschweiz, 24 in Frankreich sowie eines in Andorra verkauft.

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Blitzschutz lohnt sich

Das letzte Referat wurde von Eric Bellon von der Firma Sisag über das Thema "Blitzschutz aus Sicht des Betreibers" abgehalten. Der Blitz ist ein natürliches Phänomen von elektrischer Entladung. Diese Entladung geschieht, wenn sich statische Elektrizität zwischen den Wolken oder der Erde ansammelt. Die meisten Blitzschläge verursachen keine Schäden, trotzdem ist die Gefahr nicht gebannt. In der Schweiz gibt es pro Jahr 4 bis 5 Opfer, davon 3 Todesfälle. Dies muss nicht sein. Dank Blitz- und Überspannungsschutz ereignet sich sehr wenig. Mit Gebäudeblitzschutz, mit Fundamenterder und Ableiter können diese Gefahren sehr vermindert werden. Die Sisag nutzt den Blitzschutz bei der Übertragung von Signalen. Die seriöse Instandhaltung, wie die Erdmessung und die Überprüfung der Schutzgeräte vermindern die Gefahren auf das Minimalste.

Nach diesen sehr interessanten und ausführlichen Referaten war der Ausflug zur Mittelstation vom Corvatsch, Murtèl, mehr als verdient. Das schöne Wetter blieb uns auch am dritten Tag der Tagung treu. Bei strahlendem Wetter konnten wir auf der Mittelstation ein ausgiebiges Apero und Mittagessen einnehmen. Die 53 Seilbahnfachtagung der VTK, in Zusammenarbeit mit dem SBS, war in allen Belangen ein voller Erfolg. Schönes Wetter, ausgezeichnete Referate, kulinarische Höhepunkte, eine gut besuchte Ausstellung sowie die Pflege des Kontaktes zwischen den Mitgliedern und Zulieferanten waren die besten Voraussetzungen, dass diese Tagung den Mitgliedern noch lange in guter Erinnerung bleiben wird.