Technischen Seilbahnfachtagung vom 8. bis 10. Oktober 2014 in Davos

Grosses Interesse an der Technischen Seilbahnfachtagung

Für die Vereinigung technisches Kader (VTK) und Seilbahnen Schweiz (SBS) ist die Jahrestagung der Höhepunkt ihrer alljährlichen Aktivitäten. Dieses Jahr fand sie Anfang Oktober in Davos statt. Fachleute orientierten über die neusten Trends der Instandhaltung.

In seiner Begrüssungsansprache freute sich Laurent Vaucher, Präsident VTK, dass sich erneut wieder über 400 Besucher für die technische Seilbahnfachtagung angemeldet hatten. Anscheinend entsprach der Austragungsort Davos den Erwartungen für die Teilnehmer. Laurent Vaucher bedankte sich beim Organisationskomitee unter Leitung des technischen Leiters Markus Good für die reibungslose Durchführung der Veranstaltung.

Informationen der Behörden und von Seilbahnen Schweiz

Traditionsgemäss führte der Geschäftsführer der Braunwald Sportbahnen AG und Vorstandsmitglied der VTK, Christoph Meier, als Moderator durch das Programm. Als erste Redner begrüsste er die Vertreter des BAV sowie IKSS. Hanspeter Egli, Chef Sektion Sicherheitsüberwachung, präsentierte aufschlussreiche  statische Zahlen von Ereignissen und Unfällen sowie den Stand der neu vorgesehenen revidierten Seilbahnverordnung. Zudem orientierte er über die neuen Anpassungen im Umweltschutzgesetz, über die Vereinbarung mit dem Eidgenössischen Starkstrom Inspektorat (ESTI) sowie über die Hinweisempfehlung der Gefahr betreffend Rucksacktragen auf Sesselbahnen. Ulrich Blessing, Leiter der Kontrollstelle IKSS, wies ausführlich auf die Verantwortung der Betreiber betreffend Skiliftanlagen hin. Da Skilifte kein Auslaufmodell sind, sind die Überwachungsaufgaben dieser Anlagen strikt einzuhalten. Die Anerkennung der technischen Leiter soll zukünftig nicht mehr an die einzelne Unternehmung gebunden sein und wird zukünftig auch für die technischen Leiter von kantonalen Anlagen möglich sein.

Fachlehrer Michael Nydegger vom Ausbildungszentrum SBS in Meiringen präsentierte das vielseitige Ausbildungsprogramm der Schule. Die beiden Seilbahnlehren (Seilbahner/in EBA und Seilbahn-Mechatroniker/-in EFZ verlaufen zufriedenstellend. In diesem Jahr findet kein Ausbildungskurs zum Seilbahnfachmann statt, jedoch wird voraussichtlich im nächsten Jahr wieder ein Kurs stattfinden. Betreffend der Ausbildung der Pistenfahrzeugführer müssen alle Pistenfahrzeugführer in den Regionen einen zweitägigen Kurs besuchen. Ausgenommen von dieser Regelung, sind diejenigen die einen fünftägigen Kurs absolviert haben.

Renzo Pesciallo, Projektleiter Technik SBS, informierte über die Vernehmlassung der Seilbahnverordnung, zu der SBS und VTK bald ihre Stellungnahme abgeben wird. Man könne davon ausgehen, dass die angepasste Verordnung anfangs Mai 2015 in Kraft treten wird. Da sich in naher Zukunft ein Mangel von technischen Leitern abzeichne, hat der SBS eine Arbeitsgruppe ins Leben gerufen, um mögliche Lösungsszenarien aufzeigen zu können. Betreffend der aktuellen Seilverordnung, wird demnächst eine Arbeitskommission aus Vertretern vom BAV, Hersteller und SBS zusammen kommen, um die Instandhaltung von Seilen auf der Basis der vorhandenen Normen klar zu definieren, damit die vorhandenen Unklarheiten bei den Betreibern aus der Welt geschaffen werden können. Voraussichtlich können bis Ende von diesem Jahr die neuen Bestimmungen betreffend Lasteinwirkungen auf tragende Elemente von Anlagen vom BAV publiziert werden.  

Seriöse Instandhaltung zahlt sich aus

Axel Haubold, von der Gesellschaft für Maschinendiagnose Berlin, informierte dass Schwingungsdiagnose an Antrieben eine sehr wirtschaftliche Lösung für den Betreiber von Seilbahnen ist. Bruno Longatti, Fatzer AG Romanshorn, unterstrich in seinem Referat die Bedeutung der visuellen Seilinspektion. Mit der visuellen Seilkontrolle können äussere Schäden erkannt werden. Geschehe die Kontrolle rechtzeitig, können sie vielfach instandgesetzt werden und ihre Auswirkungen massiv vermindert werden und spart Kosten. Urs Amiet, BAV, orientierte dass der Stellenwert der visuellen Seilkontrolle bei den Betreibern erkannt sei, und diese wird mehrheitlich seriös ausgeführt. Jedoch müsse dieses Thema in Zusammenarbeit mit den Herstellern, den Behörden sowie mit den Betreibern noch optimiert werden.

Lukas Thöni, von Optibelt, hob die Bedeutung der richtigen Einstellung von Keilriemen bei Beschleunigungs- und Verzögerungsanlagen bei Umlaufbahnen hervor. Mit dem richtigen Vorspann sowie der Überwachung der Keilriemen werden Ausfälle der Anlagen massiv reduziert, aber auch Kosten eingespart.

Pierre Overney, Business System AG Biel, erläuterte die Bestimmung des aktuellen Arbeitszeitgesetz und erinnerte daran, dass mit einer gegenseitigen schriftlichen Vereinbarung zwischen dem Arbeitgeber und den Sozialpartnern, gewisse Abweichungen vom Gesetz gemacht werden können, sofern der betroffene Mitarbeiter auch damit einverstanden ist.

Emotionale Kommunikationskraft ist gefragt

Am zweiten Tag fand die Diskussion über Audits und Betriebskontrollen im Vergleich mit unserem Nachbarland Österreich statt. Hanspeter Egli vom BAV sowie Markus Walser von der Silvrettaseilbahn Ischgl unterbreiteten die Situation in den beiden Ländern. An der darauffolgenden Round Table Diskussion an der nebst den beiden Referenten noch Fulvio Sartori, SBS, Renzo Pesciallo, SBS, und Peter Julen, technischer Leiter Zermatt Bergbahnen AG, teilnahmen, wurde klar zum Ausdruck gebracht, dass es keine weiteren Regelungen benötigt, wenn alle Betreiber ihre Verantwortung wahrnehmen. Vor allem die technischen Verantwortlichen von Kleinunternehmungen sind heute mit dem anfallenden Papierkrieg überfordert.

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Wie funktionieren Audits in Österreich und in der Schweiz diskutierten: v.l.n.r. Markus Walser, Silvrettaseilbahn AG Ischgl, Peter Julen, Zermatt Bergbahnen AG, Hanspeter Egli, BAV, und Renzo Pesciallo, SBS.

Ein Höhepunkt der Referate bildete der Vortrag des Direktors Jürg Balsiger von der Cabrio Stanserhorn-Bahn. Es gelte die emotionale Kommunikationskraft an den Gast überzubringen, damit eine gute Wohlbefindlichkeit bei den Kunden entsteht, und somit der Besuch auf den Ausflugsberg zum unvergesslichen Erlebnis wird. Denn mit schöner Aussicht und mit dem Transport auf den Berg allein gewinnt man noch keine neuen Gäste. 

Zum Abschluss der Veranstaltung bedankte sich Laurent Vaucher bei allen Teilnehmern sowie Organisatoren für das gute Gelingen der Tagung. Am Anschluss der Referate im Kongresszentrum bot sich die Gelegenheit das Training des Hockey Clubs Davos zu verfolgen. Der Erfolgstrainer Arno del Curto beeindruckte die verbliebenen Besucher der Tagung mit den Geheimnissen des aktiven Hockey Clubs Davos, was den Teilnehmer noch lange in guter Erinnerung bleiben wird. Die diesjährige technische Seilbahnfachtagung in Davos war in allen Belangen ein grosser Erfolg für die Veranstalter sowie für deren Teilnehmer.

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Erfolgstrainer Arno del Curto, links, stand dem Moderator Marcel Kunert, Davos Klosters Bergbahnen AG, sowie den verbliebenen Besuchern der Tagung für ein interessantes Gespräch zur Verfügung.