Erinnerungsbilder Interlaken

VTK-SBS Technische Seilbahnfachtagung in Interlaken

Die alljährliche stattfindende Schweizerische Technische Seilbahnfachtagung VTK-SBS, verzeichnete auch dieses Jahr eine starke Zunahme von Teilnehmern. Dies dank einer tadellosen Organisation, gut ausgewählten Fachreferaten sowie einem abwechslungsreichen Ausflugsprogramm auf das Jungfraujoch. Dem diesjährigen Motto „Top of Technik“ wurde die Tagung mehr als gerecht. In Zukunft wird die Vereinigung VTK von einem neuen Präsident geleitet. Die Tagung fand vom 16. bis 18. Oktober 2015 in Interlaken statt.

 

Laurent Vaucher, abtretender Präsident der VTK, zeigte sich erfreut wieder einen neuen Besucherrekord (480 Teilnehmer) für die technische Seilbahnfachtagung mitteilen zu können. Er bedankte sich beim Organisationskomitee unter der Leitung des technischen Leiters Andreas Zenger für die reibungslose Durchführung der Veranstaltung. Durch das Programm führte traditionsgemäss Christoph Meier, Geschäftsführer der Braunwald Sportbahnen AG und Vorstandsmitglied der VTK.

 

Neue Seilbahnverordnung (SebV)

 

Patrick Lutz, Abteilung Infrastruktur Bundesamt für Verkehr (BAV), stellte die neue überarbeitete Seilbahnverordnung die seit dem 1. Oktober 2015 in Kraft ist, sowie die BAV-Richtlinien 1, 2, 3, 5, und 6 kurz vor. Die hauptsächlichen Änderungen der neuen Seilbahnverordnung sind: a) Einführung des vier Augenprinzips bei der Seilrechnung, b) ausführliche Bestimmungen zur Dienstfähigkeit des Personal, c) Keine Prüfung mehr zur Wirtschaftlichkeit der Unternehmen. Die Verordnung über die Technischen Leiter wurde aus der Seilbahnverordnung herausgenommen. Sobald die Anforderungen für die Technischen Leiter von der Branche anerkannt sind, können diese in die neue Seilbahnverordnung integriert werden. Derzeit läuft die Vernehmlassung der Richtlinie 5, für Fahrten bei Dunkelheit für sämtliche Anlagentypen, sowie der Richtlinie 6, Transport für Spezialgeräte. Ulrich Blessing, erläuterte eine Anlagenstatistik über Skilifte nach Altersklassen. Der Anteil, der über 30 jährigen Kleinskilifte und Skilifte beträgt rund 40 %. Da sehe er noch ein grosses Investitionsvolumen für die Zukunft. Gerade bei von Skischulen oder Skiclubs betriebenen Anlagen kommt es häufig zu Wechseln der verantwortlichen Person vor. Den Inspektionsintervall von vier Jahren ist deshalb für diese Anlagen zu lang. Er appelliere deshalb auf die Verantwortung der Betreiber von Skiliftanlagen. Ein Merkblatt zu Kleinskiliften wird im neuen Betriebsbuch beigelegt sein und kann später auf der Internetseite des IKSS abgerufen werden.

 

Beim Thema Sommeraktivitäten informierte Professor Dr. Manuel Jaun, Rechtsanwalt, über die Sorgfaltspflichten der Seilbahnbetreiber gegenüber den Mountainbiker. Die Checkliste Verkehrssicherungspflicht für Sommeraktivitäten des SBS gibt Auskunft, was Betreiber erfüllen müssen, damit sie ihrer Verantwortung gerecht werden.  Samuel Hubschmid, Präsident Trailnet, Trägerverein für Mountainbike, Breitensport in der Schweiz, orientierte über die Bedeutung des Mountainbiker Sportes. Werden alle involvierten Partner berücksichtigt, kann die Wertschöpfung dieser wichtigen Zielgruppe im Sommer sowie im Winter markant gesteigert werden. Denn 66 % der Mountainbiker fahren auch Ski.

 

Grosse Ausbaupläne in der Jungfrau-Region

 

Christoph Kupper, Leiter des Bereiches Bahnen und Schiffe, bei der SUST (Schweizerische Sicherheitsuntersuchungsstelle) stellte seine Organisation vor. Die SUST untersucht Unfälle und gefährliche Ereignisse von Bahnen, Luftfahrzeugen und Schiffen. Es ist die Aufgabe der SUST, Unfälle und Zwischenfälle zu vermeiden, deshalb wird eine sehr enge Zusammenarbeit mit den Transportunternehmungen gepflegt. Beat Rupp, Stellvertretender Sektionschef für Grundlagen im BAV, informierte, dass es ihre Aufgabe ist, zu prüfen, ob die Sicherheitsempfehlungen der SUST umgesetzt wurden. Bei Bedarf wird auch geprüft, ob die Sicherheitsempfehlungen für andere Seilbahnunternehmungen von Relevanz sein können.

 

Eine wahre Freude war es dem CEO der Jungfrauenbahnen, Urs Kessler, über die grossen Ausbaupläne seines Unternehmens zuzuhören. In den nächsten Jahren werden 400 Millionen Franken in den Ausbau der Infrastruktur seines Unternehmens investiert. Der Neubau der Männlichen Seilbahn sowie eine neue Seilbahn von Grindelwald Grund bis zur Station Eigergletscher ist in diesem umfassenden Investitionsprogramm enthalten. Dank dem Brand „Top of Europe“, dem internationalen Verkäufernetzwerk, und der höchsten Bahnstation Europas, erzielt das Unternehmen eine internationale Ausstrahlung, sowie der wirtschaftliche Erfolg ermöglicht es den Jungfraubahnen diese grossen Investitionen für in die Zukunft zu tätigen.

 

Instandhaltungs-Software entlastet den Technischen Leiter

 

Marco Zgraggen von der Remec AG in Altdorf, orientierte über Risikomanagement und Sorgfaltspflicht bei Seilbahnen sowie, wie die Instandhaltung mittels eines Softwareprogrammes, ausgeführt werden kann. Für ihn ist Risikomanagement die systematische Erfassung und Bewertung von Risiken sowie die Steuerung von Reaktionen auf festgestellte Risiken. Ziel des Risikomanagement ist es, die Anlagen einer hohen Verfügbarkeit zuzuführen. Mit einem gelebten Instandhaltungskonzept wird der Betreiber, den Anforderungen der Aufsichtsbehörde gerecht. Der Technische Leiter, der Toggenburg Bergbahnen AG, informierte, dass die Anschaffung einer Instandhaltungssoftware, ihm grosse Vorteile brachte. Wichtige Daten des Betriebes werden erfasst, wie Störungen, Messwerte, Betriebsstunden. Die Auswertungen sind wichtige Entscheidungsgrundlagen für die Geschäftsleitung sowie für den Verwaltungsrat.

 

Jürg Lüthi, Leiter Betrieb,Jungfraubahnen berichtete über das Ereignismanagement seiner Unternehmung. Den sieben Betriebseinheiten, wie der Berner Oberland Bahn, der Harderbahn, der Schynige Platte Bahn, der Bergbahnen Lauterbrunnen Mürren AG, der Wengernalpbahn, der Jungfraubahn sowie der Firstbahn steht ein Verantwortlicher vor, der den Ablaufprozess bei Eintreten eines aussergewöhnlichen Ereignis kennt. Die eigens erarbeitete Sicherheitsfibel trägt ebenfalls zum Bewusstsein der Sicherheit mit. Dank der Unterstützung des Management sowie der Mitarbeiter hat das Ereignismanagement bei der Jungfraubahnen einen hohen Stellenwert.

 

Hohe Fluktuation bei den Seilbahnfachmännern

 

Gilbert Simon von der Vertic’Alp Télémarécottes SA, zeigte anhand von praktischen Beispielen auf, wie im Energiebereich bei Seilbahnen Kosten eingespart werden können. Ein weiteres Einsparpotenzial sehe er bei einer Einkaufszentrale, die die Einkäufe der unterschiedlichen Seilbahnunternehmen koordiniert und dadurch günstige Angebote für die jeweiligen Betreiber einholen kann.

 

Marc Ziegler, Leiter Ausbildungszentrum SBS in Meiringen, informierte über die Resultate des mit 90 Fragen zugestellten Fragekataloges, „Untersuchung der Arbeitssituation und zur Fluktuation der Seilbahnfachmänner in der deutschen Schweiz“. Als Fazit der Untersuchung kann gesagt werden, dass die Seilbahnfachmänner ihre abwechslungsreiche Arbeit sehr schätzen. Jedoch die geringe Wertschätzung sowie die mangelnde Lohnentschädigung sind Ursachen, dass ausgebildete Seilbahnfachmänner die Branche verlassen. Es müssen Massnahmen ergriffen werden, damit diese Entwicklung eine andere Richtung einnimmt. Denn pro Jahren müssen 32 neue Seilbahnfachmänner ausgebildet werden, damit der heutige Bestand gehalten werden kann.

 

Neuer Präsident

 

An der anschliessenden Generalversammlung der VTK wurde nebst den ordentlichen Traktanden, zwei neue Vorstandsmitglieder sowie ein neuer Präsident gewählt. Michel Waeber, Vorstandsmitglied seit 2003 wurde durch den Technischen Leiter von Télénendaz, Serge Guntern, Laurent Vaucher, Vorstandsmitglied seit 2009 und Präsident seit 2011, wurde durch den Technischen Leiter, Arosa, Andreas Sturzenegger ersetzt. Der abtretende Präsident hat seit diesem Sommer die Funktion als Generalmanager von Skidata in Amerika inne. Als Nachfolger von Laurent Vaucher wählte die Versammlung Andreas Zenger, Technischer Leiter, Seilbahnen Wengernalpbahn Jungfraubahnen, zum neuen Präsidenten der VTK. Andreas Zenger absolvierte die Ausbildung als Metallbauschlosser, war mehrere Jahre als Lokomotivführer sowie als Technischer Leiter in Meiringen und seit zwei Jahren ist er in der Jungfrau-Region tätig. Nach der Generalversammlung wurde im Congress Centre Kursaal der Informationsaustausch mit den 53 Ausstellern sowie untereinander weiter gepflegt. Während des festlichen Nachtessen verstand es der Extrem-Alpinist Stephan Siegrist bestens mit einem eindrücklichen Bildervortrag das Publikum zu begeistern. Der letzte Tag der Veranstaltung wurde benutzt um das Jungfraujoch besuchen zu können. Die rund 200 Besucher wurden mit dem schönsten Wetter belohnt und waren sehr beeindruckt vom umfassenden Angebot der Jungfraubahnen.

 

B _24_Organisationskomitee

Das Organisationskomitee der diesjährigen Tagung in Interlaken (v.l.n.r.): André Huser, Wengernalpbahn AG, Nicole von Büren Simona Giger, Congress Center Kursaal Interlaken, Andreas Zenger, Präsident, Fritz Brawand, Wengernalpbahn AG, und Markus Kellenberger, Firstbahn AG.

Die Generalversammlung der VTK wählte Andreas Zenger, Technischer Leiter Wengernalpbahn AG, Jungfraubahnen, zu ihrem neuen Präsidenten.

 

B _1-Titelbild -Tagung

Der Besuch am letzten Tag der Tagung auf das Jungfraujoch hat sich für alle Teilnehmer bezahlt gemacht. Man wurde mit schönem Wetter sowie vom umfangreichen Angebot der Jungfraubahnen belohnt.

 

Urs _Kessler _und _Christoph _Meier

Der Geschäftsführer der Braunwald Sportbahnen AG, rechts, Christoph Meier führte als Moderator durch die Tagung. CEO Urs Kessler, der Jungfraubahnen stellte seine Unternehmung sowie die zukünftigen Projekte vor.

Text und Bilder: Damian Bumann